Die leichtgewichtige Elbe-Kohte

Elbekohte

Foto: Volker Gevers

Die Kohte ist besonders leicht, modern und vor allem auch kontrovers diskutiert. Wie kann man bloß eine Kohte aus Nylon statt Baumwolle machen fragen die Puristen. Andere sagen, die Elbe-Kohte ist eine feine Idee, die einen klassischen Zelttyp mit ganz neuen Möglichkeiten ausstattet.

Die Elbe-Kohte wurde vom Stamm Elbe entwickelt, hat normale Kohtenmaße mit einer 70 cm hohen Seitenwand, wodurch eine gute Raumausnutzung entsteht. Zur Minimierung von Schwitzwasser und zur besseren Belüftung sind zwei abdeckbare Moskito-Fenster in die Seitenwand eingearbeitet.

Das Material ist PU-beschichtetes Polyamidgewebe. Die komplette Elbekohte hat ein Gewicht von ca. 4 kg. Die Farbe ist schwarz.

Wir finden das neue Konzept in alter Form sehr interessant und möchten dir gerne darüber berichten. Der folgende Text hat uns freundlicherweise Helmut Völskow von Freizeit & Fahrtenbedarf zu Verfügung gestellt. Er stammt aus anp 01|09

Das Elbe-Team schreibt dazu:

Seit 1959 haben wir durchgehend PTA-Arbeit (Arbeit mit behinderten Pfadfinderinnen und Pfadfindern) in Hamburg-Othmarschen. In dieser langen Zeit haben Gruppenleiterinnen und Gruppenleiter immer wieder überlegt, wie sie Fahrten mit behinderten Kindern machen oder sich selbst das Leben erleichtern können. So hatten wir auf Wanderungen mit Rollstuhlfahrenden im Schwarzwald Kohten dabei. Die Leiterinnen und Leiter mussten ihren eigenen Rucksack und den der Rollis tragen, außerdem komplette Kohten und die Lebensmittel.

2001 hatten wir bei einer 14-tägigen Wanderung auf Korsika erstmals leichte Wanderzelte mit. Oft schliefen wir einfach draußen und alle fanden es schade, dass man nichts „aufbauen“ konnte. Gerade auf langen Sommerfahrten macht es immer Spaß, neue Konstruktionen auszuprobieren.

Hier kam uns die Idee: Warum gibt es eigentlich Kohten nicht aus dem leichten Wanderzeltstoff? Sie müssten schon wie Baumwollplanen aussehen, verknüpfbar sein, wasserdicht, windstabil - und Feuer sollte man auch darin machen können ... Die Suche dauerte drei Jahre. Alle Zelthersteller, die wir anschrieben, hatten kein Interesse oder wollten mindestens 5.000 Euro pro Kohte. 2004 bin ich bei einer Drachenbaufirma im Ruhrgebiet fündig geworden. Die vielen Details erspare ich euch jetzt ...

Beim Pfingstlager 2005 hatten wir unsere erste Nylonkohte dabei. Doch der Erdstreifen riss und das Schwitzwasser tropfte, dass man das Gefühl hatte, man liegt mit seinem Schlafsack im warmen Sommerregen.

Zum Sommer 2005 hatten wir dann schon vier dieser verbesserten Nylonkohten und wanderten mit zwei PTA-Gruppen durch das Naheland. Die Gruppenleiterinnen und Gruppenleiter, auch die Skeptikerinnen und Skeptiker („ist ja unkultig“) waren begeistert. Die Kohte wog statt 12,5 kg nur noch 4,5 kg – und die kann man auch noch aufteilen. Man kann alles mit ihr machen, wie bei einer Baumwollkohte. Nur auf Winterfahrten sind Baumwollkohten besser.

Nun rissen sich die Gruppen um diese vier Kohten. Wir haben 15 Gruppen in unserem Stamm – davon drei PTA-Gruppen. Und auch Nachbarstämme fragten, ob sie sich die Elbe-Kohte leihen könnten. Das brachte uns erneut auf die Idee, sie produzieren zu lassen. Wir fragten bei F&F, unserem verbandseigenen Ausrüster, an. So könnten alle Pfadis an diese Kohte kommen. Helmut Völskow von F&F war Feuer und Flamme. Bei F&F wurde eine unserer Kohten analysiert: Wie kann man sie maschinell herstellen, damit sie auch bezahlbar sind? Unsere einzige Bedingung für die Weitergabe der Idee: Das Nylonzelt muss Elbe-Kohte heißen – nach unserem Stamm!

Dann kam der Test: Zwei PTA-Gruppen fuhren nach Schweden, um Flöße zu bauen und die Nylonkohten zu testen. Es lief wunderbar. Der Aufwand hatte sich gelohnt. Zwei Kleinigkeiten müssen allerdings noch bei den Serienprodukten verbessert werden: Die Klettverschlüsse öffneten sich bei Sturm, da es keine Holzknebel gibt. Außerdem hatten wir bei den Prototypen am Erdstreifen innen Taschen für Brillen und Kleinkram angenäht. Die fehlen uns jetzt. Trotzdem: empfehlenswert!

Im Anhang siehst du den Text und zwei weitere Fotos, wie er in der anp erschienen ist. Die Elbe-Kohte ist zu erwerben bei Freizeit & Fahrtenbedarf.

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