Die Tuchkohte von tusk

Tuchkohte von Tusk

aus Eisbrecher 12 / 33

Bei unseren Recherchen im Archiv der Jugendbewegung auf Burg Ludwigstein sind wir in der Zeitschrift "Eisbrecher", Ausgabe 12 / 33, auf der letzten Umschlagseite auf das obige kleine Inserat gestossen.

Es kündigt bereits 1933 ein Ausbildungsheft zur Kohte an. Laut Bibliographie hat dieses Heft aus der Reihe "Allzeit Bereit" 32 Seiten zum Thema Kohte.

Es beginnt mit dem Text...

Die Tuchkohte

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Du hast recht, wir haben gefroren heute nacht, wir waren steif und müd, als wir erwachten, wir standen länger als nötig ums Feuer, bevor wir das Zelt abbrachen, und marschierten dann weg in der Hoffnung, so unsere Glieder wieder warm zu bekommen. Wäre es noch kälter gewesen, so hätten wir vielleicht mitten in der Nacht aufstehen, im schwarzen rauschenden Wald herumtapsen und dürres Holz suchen müssen, um uns ein Feuer zu machen. Wir hätten uns geärgert, dass unser Schlafunterbrochen wurde und wir hätten gar keinen Triumpf gehabt. Vielleicht den, dass wir dieser kalten Nacht getrotzt haben, und damit hätten wir uns nachher vielleicht groß getan. Besiegt haben wir sie aber nicht.

Ja unsere Zelte sind ja nur ärmliche Unterschlüpfe. Es sind notdürftige Schlafzellen, in denen wir nicht länger bleiben als nötig. Wir sind nicht in ihnen zu hause. Und ich will ja auch gern zugeben, obwohl ich viel größer und stärker bin als du, dass wir am Sonntag Abend alle heimgezogen sind mit dem Gedanken: ich freue mich auf ein warmes Zimmer und auf ein Bett. Und doch hat's keiner ausgesprochen, weil er nicht schwach sein wollte.

Da fällt mir etwas ganz anderes ein: eine Winternacht im höchsten Norden. Vor mir zieht wie eich Schatten mein Freund. Der Schnee rauscht, bisweilen klappert ein Schneeschuh am andern, oder stößt einer unserer Skistöcke an einen Stein. Wit ziehen schweigend hintereinander her. Um unsist alles grau. Rechts wissen wir in der Nacht einen Berg. Wir zwei haben verschiedene Muttersprachen, sind körperlich fast so verschieden gebaut, wie Spitz und Pudel, und haben doch - er in seiner zischelnden, quäkenden Sprache und ich in der meinen - die gleichen Gedanken: in einer halben in dreiviertel Stunden die Kohte, das Lappenzelt. Und so zogen wirmüde durch den Schnee, brauchten uns nicht zu verständigen, wußten uns einig wie zwei heimkehrende Pferde am Wagen. Und als wir schließlich den kleinen Abhang hinabglitten, an dessen Fuß aus einem großen schwarzen Etwas Feuerschein und Gelächter drang, wußten wir: jetzt ist allesgut. Jetzt kommt das Schönste, das es auf der Erde gibt: müde und hungrig mit frostigen Gesichtern durch die Klapptüre zu treten, sich nach herzlichen Grüßen auf die weichen Felle niederzulegen und ohne die Verpflichtung, ein Wort zu sagen, süßen Kaffee zu empfangen und Essen. Wir stellten die Schneeschuhe aufrecht in den Schnee und hörten, wie sie drinnen sagten, dass wir kämen. Als wir am Feuer saßen, erwachte unweigerlich, wie jeden Winterabend im Lappenzelt die gemütliche Stimmung. Dazu half alles: das lustige Gequassel des Mädchens, ein Seufzer eines schlafenden Hundes, der broddelnde Kessel und das Feuer, das Feuer. Ich dachte während dieser Nomadenzeit so manches Mal, es werde ja unmöglich sein, jemals Tage, Wochen ohne freies Feuer zu erleben.

Aber diese Stimmung kann ich dir nicht beschreiben. Der mörderische Winterwaldschweigt. Vielleicht fällt ein Schneekuchen von der Tanne. Vielleicht kracht auch ein Baum vor Kälte. Schritte werden kaum kommen. Der Wald wird winters nachts gemieden. Wilde Tire wirst du nicht hören, denn sie sind weggezogen oder scheu. Das mußt du selbst erleben.

Wir haben hin und her gegrübelt, wie wir oft Nächte im Feuerzelt erleben können.

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Bei seiner Beschreibung bezieht tusk sich auf seinen winterlichen Aufenthalt in Lappland. Er verbingt dort mehrere Monate alleine unter den Samen, der ursprünglichen Bevölkerung des Landes, die Anfang des 20. Jahrhunderts fast noch ausschließlich in ihren Kotas leben.

tusk arbeitet und lebt mit den Samen. Lernt ihren Lebensstil kennen und ihre Behausung, die Kota, das Lavvu oder eben die Kohte zu schätzen.

Seit er zurück ist, arbeitet er mit Freunden an einer schwäbischen Variante dieses Nomadenzeltes. In diesem Ausbildungsheft veröffentlicht er seine Idee, den langen Weg und schließlich auch die Ergebnisse, welche die Kohte zu einem fahrtentauglichen Zelt machen.

Auf 32 Seiten des kleinen Heftchens geht tusk auf folgende Punkte ein:

Das Verlangen nach dem Feuerzelt

tusk bezieht sich auf die alten Wandervögel, die um die Jahrhundertwende (1900) auf ihren Fahrten noch in Scheunen übernachten und dann die Zelte des Miltärs entdecken und für ihre Zwecke verwenden.

Die Vorbilder

Mit wenigen Zeichungen und ausführlichen Beschreibungen verdeutlich tusk Anforderungen an die bekannten Nomadenzelte, wie auch dem Tipi.

Der erste Versuch

Mit dem Bau einer Ringkohte versucht sich tusk an einem Prototypen, der zwar eine Kohte darstellt, aber kein echtes transportables Fahrtenzelt nach seinen Ideen gibt. Diese Ur-Kohte soll zuletzt im Besitz einer Mannheimer Jungenschaftsgruppe gewesen sein.

Unsere Tuckkohte

In diesem kurzen Kapitel beschreibt tusk sowohl die ersten Kohtenstück, als auch die Konstruktion der kompletten Kohte. Hier sind die Planen schon wie heute geschnitten, besitzen jedoch noch  ausschliesslich Doppelknöpfe und Knopflöcher zum verbinden. Das Kohtenkreuz (die Kreuzstäbe) ist bereits erfunden.

Der Aufbau

tusk schildert in wenigen Worten den Aufbau und mögliche Varianten. An dieser Methode hat sich bis heute nicht viel verändert, lediglich wurden damals Innenzweibeine verwendet.

Stilfragen

"Wir wollen uns die Welt der Kohte reinhalten", schreibt tusk. Dabei geht es im weniger um den Schmutz, sondern um die Einrichtung und auch die Einstellung zur Kohte. Sie soll den Kontakt zur Natur ermöglichen.

Das Ornament

"Schmücke dein Heim" Alle frühen Kohten haben diesen breiten, hellen Ornamentstreifen. Zur Zeit von tusk wurde dieser geschmückt und aufgenäht. tusk legt sogar die Farben fest, die verwendet werden sollen,schwarz, zinnoberrot und kobaltblau (auf hellem Rohleinen).

Andere Zeltformen aus Kohtenstücken

Größere Zeltformen aus Kohtenstücken scheinen noch nicht bekannt zu sein. Die Lokomotive jedoch war schon erfunden. Es sollen bis zu 8 Personen darin Platz finden.

Verpackung

Ein kleiner Absatz erzählt auch, wie die Kohte verpackt und transportiert wird, von der "Affenrolle" distanziert sich tusk mit der Begründung, es wäre unschön, Plane und Schlafsack in einem zusammen zu rollen.

Regen, Wind und Schnee

Das letzte Kapitel widmet sich Wind und Wetter. Hier gibt tusk reichlich Tipps, wie auch die größten Unbillen zu überstehen sind. Die Abdeckung des Rauchlochs ist damals noch nicht gebräuchlich. Schließlich sollst du zu allen Tages- und Nachtzeiten den Himmel und das Wetter sehen.

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