Imprägnieren in der Vergangenheit

Mit der Zeit wandelt sich vieles. Auch die Rezepturen für eine gute Imprägnierung haben sich verändert. Ein paar alte Rezepte haben wir in dem Buch "Neue Fährte" von Walter Scherf gefunden. Der ursprüngliche Text stammt ausder Mitte des letzten Jahrhunderts. Viele Zutaten scheinen heute verwunderlich bis absonderlich und du fragst dich, wo es die überhaupt noch gibt... Aber les selbst:

[quote]Habt ihr eure Zeltbahnen zu Hause schon einmal bei Licht betrachtet? Wohl kaum, denn sonst dürften nicht soviele Knöpfe und Schnüre fehlen, und vielleicht erinnert ihr euch, daß ihr euch auf Fahrt geschworen habt, die Zeltbahn zu reinigen und neu zu imprägnieren. Jetzt vor der Großfahrt muß das in Ordnung gebracht werden. Knöpfe werden mit festem Eisengarn angenäht, fehlende Ösen ersetzt und Schnüre angebracht. Und dann geht es an das Imprägnieren.

Die Zeltbahn wird gründlich gewaschen und getrocknet. Fettflecken bügeln wir heraus oder behandeln sie mit Fleckwasser. Die trockene Zeltbahn nimmt die Imprägnierung gut an. Und wenn es auf Fahrt dann wieder richtig draufplatscht, so hilft das Imprägnieren nicht viel, wenn ihr die Bahnen von innen berührt.

Rezepte

  1. Warm hergestellte Lösung aus 10 Teilen weißem Leim, 10 Teilen Glyzerin und 50 Teilen Wasser. Damit die Zeltbahn bestreichen Damit der Leim unlöslich wird tauchen wir die Bahn nach dem Trocknen in eine Mischung von 10 Teilen Formaldehyd und 90 Teilen Wasser.
  2. Regenwasser von 45 Grad, darin aufgelöste, fettreiche, fein zerschnittene Seife. In dieser Lösung die Bahn hin und herschwenken und gut ausgedrückt in ein anderes Bad von essigsaurer Tonerde (nur 2,5%!) tauchen.
  3. Zeltbahn 8 Minuten in ein Bad von 100 g Fett, 900 g Benzin und 100 g Kalkmilch (20 g Ätzkalk und 80 g Wasser) tauchen.
  4. Wollfett durch Erwärmen mit etwas Tetrachlorkohlenstoff verflüssigen und das ganze in der 10 bis 20 fachen Menge Benzin auflösen. Zeltbahn einige Minuten eintauchen, auspressen, trocknen.
  5. 250 g Alaun in 2,5 l kochendem Wasser auflösen und 9 l kaltes Wasser zufügen. 24 Stunden darin liegen lassen, leicht auswringen und für 5-6 Stunden in ein zweites Bad bringen, das anstatt Alaun 120 g Bleizucker enthält.[/quote]

Quelle: Neue Fährte, Walter Scherf, Südmarkverlag Fritsch KG, Heidenheim, 1979

Aus unserer heutigen Sichten ist es jedoch deutlich besser, möglichst wenig mit den Zeltbahnen zu machen. Nicht reinigen, nicht imprägnieren, sondern einfach Wind und Wetter den Schmutz wieder abwaschen lassen. Der Stoff dankt es auf jeden Fall. Baumwollplanen werden so schnell nicht undicht.

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